Intellektuellenalarm im Internet

May 23, 2009 at 12:26 am 1 comment

Ich war ganz glücklich als am Mittwoch das Holzmedium “Die Zeit” auf postalischem Wege reingeflattert kam.  Twittern, Mails und Facebook machen mich müde nach einer Weile.

Heute las ich dann den Artikel “Das Netz als Feind – Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird” von Adam Soboczynski,im Feuilleton — immer ein Garant für hochgeistigen Spaß und gewagter Schreibe.

Der Titel an sich ist schon eine steile These, regt aber zum nachdenken an. Nach dem nachdenken dachte ich dann: These leider falsch. Weil zu pauschal. Und weil hier ein “Netz” als homogene Einheit hochstilisiert wird.

Der folgende Satz aus dem Artikel widerspricht leider doch dem reißerischen Titel, der Blogger doch recht schnell die “hysterische Reaktion” der Blogger in Gang setzen wird:

Überschrift und Unterzeile verlangen nach einer hysterischen Zuspitzung.

…und dank dem zugespitzen Titel finde ich dann auch schon 78 Kommentare auf der Zeit-Internetseite — etliche mit Hass gegen den etablierten, bezahlten Artikelschreiber.

Aber auch andere Kommentargoldstücke wie diese

Die etablierten Intellektuellen, wie der Artikelschreiber zeigt, werden genauso überflüssig in ihrer gesellschaftlichen Relevanz wie unsere ahnungslos in Ideologien verstrickten Politiker. Im neuen Raum des Wissens definiert sich Identität jetzt neu. Es gibt keine Trennung mehr dann von Exploration und Konstruktion. (Jeder erschafft sich durch seine Gedanken seine Wirklichkeit.) So wird die Unterscheidung zwischen Ich und Wir aufgelöst und wir treten aus einer Kultur der Macht und der gegenseitigen Ausbeutung ein in eine Kultur des Miteinanders.

Ach, so war das!

Ist es nicht großartig, dass das Internet eine Kommentargrundlage bietet, so dass sich Intellektuelle artikulieren können und “Hass” gleich entgegenschleudert bekommen — und dann, angefeuert von dem Blog-Mob, eine Grundlage für weitere Intellektuelle-Infragestellungsspielchen bekommen? Ohne Gegner haben doch die meisten Spiele keinen Sinn! Und ganz zynisch geantwortet: Der Autor Soboczynski, der 78 Kommentare und etliche Seitenklicks mehr hervorgerufen hat, dank seines schmissigen Titels, finanziert doch sicherlich ziemlich gut sein Intellektuellenauskommen.

Ich bleibe weiterhin Feuilleton-Fan, gerade weil ich solche Grundsatzdiskussionen mag. Und Intellektuelle erst recht! Wer sich von niedergeschriebenen Kleingeist-Kommentaren als Intellektueller angegriffen fühlt, ist vermutlich gar keiner.

Nach Shakespeare und Soboczynski könnte man antworten: “Geh doch in ein Intellektuellenforum!” Schade wär’s. Für mehr Intellektuelle in öffentlichen Debatten!

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My Blog — 1 month alive! Das Alter ist unausweichlich – Liebe möglich!

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  • 1. Piccobello  |  May 23, 2009 at 4:13 pm

    Einer reicht schon 😉
    Was du hast,hast du.

    Reply

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