Lesen mit Kindle?

November 5, 2009 at 11:58 pm 2 comments

Seitdem ich das Luxuproblem habe, meine Bücher an einigen Orten zu haben, und gerne auf sie Zugriff hätte, wenn ich mich unglücklicherweise an Buch-Nichtstandort befinde, frage ich mich, ob ein E-Reader sinnvoll wäre.

Die Antwort ist nein. Und das ist nicht nur so, weil ich ein Buchregal und sein organisches Wachsen, gelegentliches durchwälzen und durchschauen gut finde, sondern auch weil Notizen an Buchrändern bei E-Readern nicht möglich sind? Ich bin mir da unsicher, denn eine Tastatur hat der Kindle E-Reader ja — aber kann man dort auf einzelne Seiten Kommentare hinterlassen? Oder Passagen digital unterstreichen? Und diese einzelne Seite mit den Notizen schnell ausdrucken?

Das wäre ein großer Vorteil, denn die eigene Bibliothek sollte eine persönliche Note enthalten, und nicht jungfräulich aussehen. Einige Bücher aus dem Antiquariat haben neben den fast lebendigen (Schmutz-) Flecken auch sinnvolle oder weniger sinnvolle Randbemerkungen.

Bücher aus den Tiefen des Antiquariats, die 50 oder mehr Jahre alt sind, vor Unterstreichungen und Fragezeichen sowie unleserlichen Wörtern am Rand strotzen — und wenn dann noch die Geschichte bewegt, dann glaube ich, selber ein Stück Geschichte in der Hand zu haben. Das Buch an sich als Teil der Geschichte…

Pardon, ich glaube bin da von den evtl. digitalen Randbemerkungs- oder Unterstreichungsmöglichkeiten abgeschweift. Selbst wenn das möglich ist, ist es schwer, digital 500 Seiten durchzublättern um einen Kommentare schnell mit der passenden Textstelle ausfindig zu machen. Und darum geht es doch häufig: Schnell den passenden Gedanken oder das interessante Zitat parat zu haben.

Ich würde gerne einige Blogs und Mails intensiver lesen, was mir auf dem Computerbildschirm schwerfällt. Dafür allein ist der Kindle aber noch zu teuer. Für den täglichen digitalen Einwegmüll (wie diesen Blogeintrag z.B.) ist ein E-Reader also nützlich.

Es gibt also immer noch keine Alternative für das Buchregal oder den Bücherhaufen, wahlweise. Und das ist auch gut so, denn vielleicht ist das Buchregal die letzte Bastion gegen den “flexiblen Kapitalismus” (s. mein Buchregal), mit flexiblen Büchern. Der Mensch möchte halt manchmal an den Ort seines Ursprung…ähhh Buchsprungs zurückkehren.

Nachtrag 6. Dezember

Google Scholar ist schon eine kleine Lösung des Problems. Für wissenschaftlich Arbeiten kann man da etliche Bücher durchsuchen. Die Norton Anthology bietet einen Webzugang an, wenn man das Werk kauft. Das sollte Standard werden, um gerade dicke Werke schnell auf Schlagwörter zu durchsuchen, um dann den Text aber in Druckform intensiv lesen zu können.

Das Problem an Google Scholar (wenn man das Werk nicht in Druckform hat) ist, dass man seinen Essay aus kleinen Fragmenten zusammenbasteln kann. Aber da sollte jeder Dozent zwischenhauen und fragmentarisches Denken anmäkeln.

Digital und Druck, keine Gegensätze sondern Symbiose!

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2 Comments Add your own

  • 1. Piccobello  |  December 4, 2009 at 5:43 pm

    Schöner Artikel, digitales Verständniss 🙂
    Ich find allerdings auch, das man mit alten “Buchbekanntschaften” mehr Bezüge aufbauen kann. Alleine wenn ich mich an das Cover des Buches Zuhause erinner, läd es mich ein nochmal zu beginnen, neu anzufangen etc.Der Wiedererkennungswert ist beim Buch höher, find ich.Kindle hat nat. auch Vorteile, aber irgendwie geht da echt, da muss ich dir Recht geben, der Bezug verloren, maL eben DAS Buch rauszukramen verloren!
    Beim Kindle etc. kaufe ich dann wohl eher das neuste Werk des Autors(hab dann zwar den Vorteil von Kundenmeinungen und so aber auch viel Cybermüll….) Also Däumchen hoch für Bücher, auch als Ausgleich für Digitalität.

    Reply
  • 2. jannesr  |  December 5, 2009 at 4:45 pm

    …und es gibt ja auch nichts besseres, prestigeträchtigeres als Fotos vor dem Buchregal 😉

    Mir ist die Idee gekommen, das man mit dem Buch eigentlich auch den Zugang zu dem digitalen Werk erhalten sollte, um schnell Auszüge raussuchen zu können. Zumindest kleine Auszüge wie es teilweise schon auf Google Books möglich ist, aber auch nicht bei jedem Werk und nicht unbedingt bei der Auflage die man hat.

    Mein Dogma ist: “Digitalisiertes Wissen macht Wissen erst möglich. Aber ein Ersatz für das Buch in Druckform ist das nicht. Es muss eine intelligente Kombination geben, und nicht ein Entweder-Oder. (Entweder druck, oder digtal.)”

    Ich habe mal einen Nachtrag gemacht, Google Scholar ist schon eine gute Lösung.

    Reply

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