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Im Trend: Bücherschränke

“Der Trend geht Richtung Zweitbuch”, entgegnete mir eine Antiquarin, als ich zu geizig war, anstatt die Bücher im Zweierpaket nur einzeln zu kaufen. Zu dem Kafka nahm ich dann widerwillig noch Adorno, und schon sah ich mein Lesepensum im Niedergang, denn dann liegt hier in meiner Bude nur wieder ein neuer ungelesener Haufen, und man weiß nicht, womit man überhaupt anfangen soll.

Zuviele Bücher verstopfen also den Kopf, und jetzt steht hier einer dieser Outdoorbücherschränke am Fiedelerplatz, wo jeder nehmen und geben kann, wie er will. Heute zeigte ich den ersten ausländischen Besuchern diesen Schrank — sie waren sehr begeistert und machten Fotos mit ihm.

Die Leidensgeschichte fang aber schon im Juli 2009 an: In Bonn-Poppelsdorf. Jawohl, ich habe diesen Bücherschrank am Bild von Wikipedia wiedererkannt, und ich erinnerte mich sogleich daran, dass ich dort das vielbeachtete Internetarbeitsweltbuch “Wir nennen es Arbeit” (Lobo/Friebe) aus dem Schrank gezogen habe.

Und seitdem stehe ich in der Schuld mit dem Bücherschrank Bonn-Poppelsdorf, denn natürlich hatte ich kein Buch dabei, um Ausgleich zu schaffen. Irgendwann, wohl als Pensionär, werde ich zu diesem Schrank zurückkehren um meine Schuld zu begleichen.

Ich kann mich noch dran erinnern, dass dort sogar die Hardcover-Version von “Das Parfüm” in der Bonner Sonne schmorrte. Auch heute wieder, bei meinem fast hauseigenen Bücherschrank am Fiedelerplatz: Die Qualität der Bücher ist gut, und die Anzahl der Leute, die alte PC-Handbücher reinstellen doch sehr gering.

Passend zur WM fand ich in diesem hannoveraner Bücherschrank auch Bücher zu Afrika — Die Nelson Mandela Autobiografie sowie Irgendwo/Nirgendwo in Afrika von Caroline Zweig. Themenaktualität ist also gegeben! Übrigens auch viel Englisches — Kurishei, Joyce, Poe etc.

Auch kann man gepflegt Selbstmarketing mit so einem Bücherschrank betreiben. Wie, ihr habt noch keinen Roman geschrieben? Nunja, Michel Turzynski schon, denn er hat zwei seiner Reiseberichte (“100 Länder nebenbei” und “Auf dem E1 von Göteborg über Flensburg nach Genua”) da signiert reingestellt, und nun wird er auf diesem hochklassigem Blog erwähnt. Seine Bücher gibt’s auf BooksOnDemand.de. Oder diese Tage am Fiedelerplatz, wenn ich die Turzynskis wieder zurückstelle.

Laut Wikipedia gibt es in Hannover rekordverdächtig viele Bücherschränke, 13 an der Zahl, plus den an der Fiedelerstraße, denn ihn hat noch kein Wikipedianer erfasst.

Und mit bookcrossing.de gibt es das Ganze, wenn auch etwas anders, in ver-socialnetworkter Form, mit Merchandising, Community und allem drum rum.

Spätestens dann, wenn es wieder soweit kommt, sich mit Communities rumzuplagen, und die Bücher mit IDs zum tracken zu versehen, sollte man lieber ein Buch zur Hand nehmen und lesen, Internet aus.

July 4, 2010 at 10:20 pm 2 comments

Phi-loo-sophie — eine Möglichkeit unsere Welt zu verbessern?

Es traf mich ins Mark, als ich mich heute auf den Toiletten des Conti-, pardon Gucci-Campus befand und die Tür von einer der drei Klobkabinen hinter mir verschloss. Es war ähnlich aufrüttelnd wie das Erscheinen des “Zonk” der in der Spielshow “Geh aufs Ganze!” hinter einem vom drei Toren versteckt war — doch in dem heutigen Fall war die Botschaft eine positive, denn was sich hinter dieser Klotür befand war Weltpolitik! Genau die richtige Tür erwischt! Zonk!

Neben all dem Gekritzel, schlimmer als infantil, Hakenkreuze, Hetze gegen Zionismus, fanden sich Sätze wie “Rechte sind Schei**e” (harmloses Beispiel) die einfach revidiert wurde indem einfach “Rechts” durchgestrichen wurde, und “Links” drübergeschrieben. Und umgekehrt. So weit, so (leider nicht) gut. Mittig zentriert über dem Spülkasten befand sich aber folgende Feststellung:

Die Diskussion auf den Klowänden finde ich politisch sehr fruchtbar! Vielleicht sollten wir das Klo nach Jerusalem bringen, dann könnte man evtl. den Nahostkonflikt lösen!

Ein anderer Klogänger fügte hinzu:

“Ja, dann heißt es nicht mehr “Unser Star für Oslo,” sondern “Unser Klo für Jerusalem”

Dritte Hinzufügung:

“Sorry, ich hab’ nur 30 Minuten Pause, da ist mir der Weg nach Jerusalem zum Schei**en zu weit!!!”

Natürlich ist es ein Unding meinerseits, Philosophie mit diesem Klo-Kabarett zu verunglimpfen. Aber ich glaube gerade weil das Klo tabuisiert wird, muss seine kulturelle Bedeutung stärker untersucht werden. Zizek (jaja, der Starphilosoph…) ist sehr bekannt mit seinem Beispiel, dass die (alten) Toilettensystem in Frankreich, England und Deutschland die europäische Trinität beschreiben. Ich paraphrasiere Zizek: Frankreich, ein revolutionäres System, der Mist fällt sofort ins Wasser und wird radikal weggespült. In England bleibt der Mist eine Zeit lang im Wasser liegen, und versickert nach gewisser Zeit. In Deutschland hingegen fällt der Mist auf ein kleines Podest im Klo und kann untersucht werden, folglich ist dies ein metaphysisches System, und beschreibt die Eigenart der deutschen, alles zu untersuchen und zu reflektieren (vgl. deutscher Idealismus etc.).

Das Klo ist eine Universalmetapher. Sind denn die youtube-Kommentarseiten viel anders als Klowände? Und ebenso Blogs? (Werber Jean-Remy von Matt handelte sich von vier Jahren von übereifrigen Bloggern Protest ein, als er Blogs “als Klowände des Internets” bezeichnete.) Die permanente Schelte gegen die Weicheit von Angela Merkel, sowie die Trauer über den Abgang von einem “harten, aber notwendigen” Roland Koch (vgl.  ZEIT von letzter Woche) lässt sich als Wunsch verstehen, endlich mal wieder polarisiend, ja gar klowandhaft, politically-incorrect diskutieren zu können. Ja, was waren das denn noch für schöne Zeiten, wo Politiker wie Roland Koch zu Wahlkampfzeiten so einen auf dem Klo ausgedachten Mist herausgehauen haben?

Deshalb glaube ich auch, dass es es mit dem “unser Klo für Jerusalem” nicht funktionen würde, da hier die Lage umgekehrt ist: Nicht weniger Diplomatie wird in Israel/Palästina benötigt, sondern mehr. Und einen Diplomatieklowächter möchte man keinem Klogänger zumuten, der sich auf das Jerusalem-Klo wagen würde…

Und ein sehr ernstes, wichtiges Ziel (keine Ironie!) verfolgt der Welttoilettentag am 19. November — und zwar möchter dieser Tag die Aufmerksamkeit auf die schlechte Sänitärversorgung von ca. 40% der Weltbevölkerung lenken.

Auf jeden Fall gibt es noch eine Menge Klotential unsere Welt zu verbessern!

June 5, 2010 at 5:32 pm Leave a comment

CouchsurfingStories#1

I have several drafts of couchsurfing stories saved in wordpress. It’s this travelling, non-commercial website I also mention in my About section.

But I could never decide on writing further. The story about the British movie freak where I watched Lola runs in Manchester for the first time. Or the story about the former employee of the old German Parliament in Bonn in the 80s, that I met (or: “couchsurfed”) in Berlin. He: living lonely, sorrounded by all his cats and his massive flat-screen. Second occupation: Former tax-advisor for tax havens.  I just arrived, we drank wine, I had my own room, he told me about his cats and his live in London, his witnessing of 9/11 in NY. The greatness of conversation corresponded to the luxurious room, bath towel on bed — just like in a hotel. I just couldn’t decide.

Which story is worth writing down? Or is this senseless, because all these stories are worth nothing without the mental images you personally collected at your journey? Maybe you know the situation, when people tell you about a travelling story, but you are just not interested, because they don’t  mean anything to you.

So I won’t write down any of my stories, but a different one;

In a park here in Hannover, I met a British guy who is into literature and travelling around with almost nothing. No plans where to go next. “I don’t plan” he said.

Some months ago, he just came from a faraway country into London. What a coincidence: G-20 Summit. Big thing. Financial crisis. Estimated 20.000 protesters that pilgrimaged to a rather small square just around the Bank of England.

He could decide on which group to join: Autonomous ones, anarchists, ecological groups, tourists, handy-cam ones, undecided ones, people with a Bank-of-England coffin, having the picure of the BoE-executive printed on it. Or just follow a man on a bike made up like a pirate ship, himself wearing a pirate costume?

He didn’t decide to join a group, he just walked alone with his script among the crowd to detect literary essence. He wasn’t present, but just documenting what was going on. But was anyone present actually? Everybody filming everybody: The police filming the protesters, the protesters filming the police with handy cams. Journalists filming the filming people. Helicopters filming the people filming the people. And he noting it down. So who was present?

This is the Youtube-Age. Anyway, there were agressive protests, just as expected; People throwing stones into the Bank, even trying to burn it, but being stopped by other protesters because bankers where upstairs. Computers being smashed, drum n’ bass music played in the background from sound systems in shopping-carts. A japanese girl with platform shoes dancing to rave music, sorrounded by helicopters.

I could listen even longer…but the protests had its end, so his story does. Later the evening, I saw him vanishing, just around the corner at Hannover’s federal bank, walking home with his host carrying his bike. He is on the road again, never seen again, but stories that stay.

A story like a journey. No youtube, no picures. Just words. And an internet plattform like couchsurfing.com that gives you the opportunity for such acquaintances. Sometimes that’s all you need.

August 11, 2009 at 1:47 am 1 comment

Webmontag Hannover

In a dark, old-style sports-club-room I visited one of these “webmontags”   . The first Twitterwall I have seen and the most silent microphone I have heard so far ;).

The last presentation was the best one, but rather because of the energy and the presentation skills of Robert Basic (famous, because he was the first one who sold his Blog for about 50.000 Euros on Ebay). But the idea of his city portal buzzriders was quite simple: a local media plattform run partly by “Housewifes — because they have the time and the network” (I am unsure whether this was totally ironic). Lots of videos are planned to be embedded, the development will be totally open. Financing is via advertisements or people who search for something useful when new in town, use the buzzrider search engine then, and are provided by “paid” results mediated by buzzriders.

There was some studivz bashing going on (“marketingscheiss”) as a reply to a guy who said that they are successful due to marketing (studivz is not because they have a loss of 10 mio. Euro). “It’s the product!”, “No long term plans”, “for the common people, Basic stressed.

Good luck  for this idea. From my point, I would miss professional journalist’s local news, but what’s the alternative when newspapers get rid of local journalism?

Further links

www.deineschokoladen.com (Good for presents!)

Well writen Blog entry about Basic’s presentation: http://blog2.de/archiv/442

picture from: http://t3n.yeebase.com/9-webmontag-hannover-242579/

April 20, 2009 at 11:29 pm 1 comment


About jannesr.wordpress.com Blog

This Blog has no real mission, but it is just a place for me to publish stories.
I like to have the pressure to simply write something down for an abstract audience. Bristrouble.wordpress.com was another attempt of me to do this when I was in Bristol. See below.

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