Posts tagged ‘Arts’

Lesen mit Kindle?

Seitdem ich das Luxuproblem habe, meine Bücher an einigen Orten zu haben, und gerne auf sie Zugriff hätte, wenn ich mich unglücklicherweise an Buch-Nichtstandort befinde, frage ich mich, ob ein E-Reader sinnvoll wäre.

Die Antwort ist nein. Und das ist nicht nur so, weil ich ein Buchregal und sein organisches Wachsen, gelegentliches durchwälzen und durchschauen gut finde, sondern auch weil Notizen an Buchrändern bei E-Readern nicht möglich sind? Ich bin mir da unsicher, denn eine Tastatur hat der Kindle E-Reader ja — aber kann man dort auf einzelne Seiten Kommentare hinterlassen? Oder Passagen digital unterstreichen? Und diese einzelne Seite mit den Notizen schnell ausdrucken?

Das wäre ein großer Vorteil, denn die eigene Bibliothek sollte eine persönliche Note enthalten, und nicht jungfräulich aussehen. Einige Bücher aus dem Antiquariat haben neben den fast lebendigen (Schmutz-) Flecken auch sinnvolle oder weniger sinnvolle Randbemerkungen.

Bücher aus den Tiefen des Antiquariats, die 50 oder mehr Jahre alt sind, vor Unterstreichungen und Fragezeichen sowie unleserlichen Wörtern am Rand strotzen — und wenn dann noch die Geschichte bewegt, dann glaube ich, selber ein Stück Geschichte in der Hand zu haben. Das Buch an sich als Teil der Geschichte…

Pardon, ich glaube bin da von den evtl. digitalen Randbemerkungs- oder Unterstreichungsmöglichkeiten abgeschweift. Selbst wenn das möglich ist, ist es schwer, digital 500 Seiten durchzublättern um einen Kommentare schnell mit der passenden Textstelle ausfindig zu machen. Und darum geht es doch häufig: Schnell den passenden Gedanken oder das interessante Zitat parat zu haben.

Ich würde gerne einige Blogs und Mails intensiver lesen, was mir auf dem Computerbildschirm schwerfällt. Dafür allein ist der Kindle aber noch zu teuer. Für den täglichen digitalen Einwegmüll (wie diesen Blogeintrag z.B.) ist ein E-Reader also nützlich.

Es gibt also immer noch keine Alternative für das Buchregal oder den Bücherhaufen, wahlweise. Und das ist auch gut so, denn vielleicht ist das Buchregal die letzte Bastion gegen den “flexiblen Kapitalismus” (s. mein Buchregal), mit flexiblen Büchern. Der Mensch möchte halt manchmal an den Ort seines Ursprung…ähhh Buchsprungs zurückkehren.

Nachtrag 6. Dezember

Google Scholar ist schon eine kleine Lösung des Problems. Für wissenschaftlich Arbeiten kann man da etliche Bücher durchsuchen. Die Norton Anthology bietet einen Webzugang an, wenn man das Werk kauft. Das sollte Standard werden, um gerade dicke Werke schnell auf Schlagwörter zu durchsuchen, um dann den Text aber in Druckform intensiv lesen zu können.

Das Problem an Google Scholar (wenn man das Werk nicht in Druckform hat) ist, dass man seinen Essay aus kleinen Fragmenten zusammenbasteln kann. Aber da sollte jeder Dozent zwischenhauen und fragmentarisches Denken anmäkeln.

Digital und Druck, keine Gegensätze sondern Symbiose!

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November 5, 2009 at 11:58 pm 2 comments

CouchsurfingStories#2: A tourist in the own city

On Monday, there were lots of guests in Hannover for the Coldplay concert. After a while of not-hosting (nobody asked me, indeed), I was happy to be the couchsurfing-host for two guests from Russia, St. Petersburg. My idea here is not to tell boring travelling stories like “have-you-been-here-and-there and I-have been-here-and-there and so on and so on and I have been to more countries to you and it is all soooo great and exotic.” No, this is boring, as I already wrote in my first couchsurfing story.

I think it is more interesting to tell you how couchsurfing changes the way you think.

So, on Monday, my guests from Russia, me and others were sitting in the Hannover-Künstlerhaus with some fruit juice. Two hours before Coldplay started to play, I and another person from the couchsurfing-Hannover-Community said goodbye to the guests, as we were not joining (Tickets 60-80 Euros!).

We helped to carry the sleeping bags of them, and as I was walking with a sleeping bag, an ice in the hand, lost in thoughts, it suddenly came to my mind: I feel like a tourist in my own city!

And this is cool, being a tourist in your own city.

It always happens to me, that I feel more conscious about the seemingly well-known-environment. People notice the facades of the houses, that are sometimes extremely beautiful in the area where I live. I first noticed them after a year living there.

Often, I become aware, that I should appreciate more the area I live: Guests notice how great it is to have a lake to swim and a big forest. Tourist go into a museum, inhabitants of a city only rarely. A year ago I went with a Canadian guest into the modern art Sprengel-Museum, and she told me about her modern art idea:

“I and a friend once wanted to make an art installation consisting of a transparent plastic-block were we vomited into.”

Disgusting idea, but could be modern art. If you have such stories, connected to all the modern art,  it really helps you to understand, how people might draft modern art ideas.

Couchsurfing also helps you to understand what Germany is, if you walk through these allotments (Kleingartenkolonien, Hannover has many!), where you think Snow White will soon show up between all the kitschy Gartenzwerge.

As I visited Oldenburg again, where I was born, I showed a Brazilian the Schlossgarten. Autumn, leaves were falling, ducks were swimming in a little lake. She spontaneously said: “It’s so Disney!” It seems that Disney had a huge impact on the global Europe-image, and there was also an exhibition in Munich about this («Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst»). The danger, off course, is that you affirm klischees. But, I think, the danger is the very much higher, if you travel with friends using a hostel and then visit all the mainstream attractions such as Maschsee or Rathaus.

If you want to change yout perspective in a more luxourious way, you can do what Svennov wrote on his Limmerstraßenblog:

Nach dem Einchecken bin ich zum Gast in meiner eigenen Stadt geworden, denn normalerweise wäre mir das Viertel um den Maschsee viel zu langweilig und das Maschseefest zu sehr verseucht mit unkultivierten und gleichzeitig langweiligen Menschen. Aber an diesem Tag war es genau das richtige, ein Kurzurlaub in einem anderen Stadtteil; ich beobachtete die Menschen wie ein Aussenstehender, sog alles in mich auf und fühlte mich ein bisschen wie auf einer Safari, die ohne Kamera auskommt.”

Join Couchsurfing.com if you also want to be a tourist in your own city. Or go into a hotel as Svennov did, but this is probably the more expensive option.

August 29, 2009 at 6:15 pm 1 comment

Houellebecq, Hannover und Hakenkreuzbuch

“Ich hob ein kleines Loch im Sand aus, um die beiden Bücher darin zu vergraben; das Problem war jetzt nur, daß ich etwas zu lesen finden mußte. Leben ohne zu lesen ist gefährlich, weil man sich mit dem Leben begnügen muß, das kann dann dazu führen,  daß man Risiken eingeht”

(Michel in Platttform)

Mit schwerem, dem Vorabend geschuldeten, Kopf war ich eines Morgens/Mittags-wasauchimmer versucht, den geliehenen Houellebecq “Die Möglichkeit einer Insel” gewaltsam aus dem Bett in die Ecke zu schleudern, ebenso wie es Michel in Plattform mit einem Reiseführer tut, der ihm Prostitution in Thailand als unmoralisch vorführt. “Die Möglichkeit einer Insel” war mein dritter Roman, und nach 300 von 500 Seiten dieses Houellebecqs erkannte ich: Totaler Mist, nie mehr Houellebecq, zu pornografisch, immer das gleiche! Mein letzter Houellebecq 4ever!

Vor einer Woche geschah es dann hier in Hannover auf dem “migrationshintergrundsgeprägten” Engelsbosteler Damm, dass mir ein großes Hakenkreuz auf einem fleddrigen Buch ins Auge sticht. Das Buch war von 1923, altdeutsche Schrift.

Das Antiquariat (Name: Irgendwas mit “Internationale”?) war mir schon vorher aufgrund der kommunistischen Symbolik über ihrer Eingangstür aufgefallen. Und weil sie einen Kunstfolianten des Künstlerpaars Gilbert&George im Schaufenster hatten. Diese Künstler verwenden ihre Exkremente&andere Körpersäfte in ihren Bildern; in der Tate Modern vor zwei Jahren war mit der Eintritt dann doch selbst diese künstlerische Sensation den Eintritt nicht wert…

OK, back to Hannover: Hakenkreuzbuch, Kommunismussymbolik, Exkrementkunst-Foliant — also drei interessante Widersprüche, und guter Grund, das Antiquariat mal zu betreten. Es war wie in Walter Moers “Die Stadt der träumenden Bücher”: Die Bücherhaufen nahmen eine organische Struktur an, die Regale waren zwar kategorisiert, aber davor bildeteten sich Büchertürme, und man musste aufpassen, mit seiner minimal-Tasche die maximal Bücherhaufen die sich hier und da breit machten nicht umzustoßen. Hätte nur noch das Bücherphantom aus Moer’s Buch gefehlt, aber da war nur der Antiquariarist (heißt das so?) am Notebook und aus der Ecke mit den Kunstfolianten drangen französische Stimmen.

Und da sprang mir doch gleich ein Houellebecq ins Auge: Plattform. Sonderausgabe, Neu, 5 Euro, hübsches Hardcover “Einmalige Erfolgsaugabe anlässlich zu Die Möglichkeit einer Insel“. Ich warf meine Vorsätze über Bord, kaufte das Ding, denn ich warf mich schon beim Lesen der Plattheit des Klappentextes wieder weg:  “Michel und Valérie wollen die verlorene  Liebensfähigkeit des Westens in neuartigen Ferienclubs organisieren…”

Jetzt lese ich wieder Houellebecq und habe ihn nach einer Empfehlpause wieder zweimal empfohlen (Standardreaktion: Kannste mir sagen wie man dieses Houellebecq schreibt???).

Die Bücher, die im Eingangszitat verbudelt werden sind übrigens “Die Firma” und ein anderer amerikanischer Thriller. Bücher, die gemeinhin als nichtliterarisch und action/fiction bezeichnet werden. Billiger suspense, für die Leinwand geschrieben, Tom Cruise auf dem Leib geschrieben — sagt Michel treffend in Plattform. Aber Houellebecq, das ist pure Literatur, die schockiert und ein gesamtpornografisches Kunstwerk ist. Literatur, die trotz der pornografischen Elemente noch Form und Aussage hat — im Gegensatz zu Feuchtgebiete.

Ich gebe die Empfehlung also auch gerne auf diesem Blog weiter — ohne Scham, denn ich schäme mich eher für meine Dan Brown-Lektüre, denn für die mutige  Houellebecq-Lektüre. Masochismus schlägt Primitivität!

Bitte: Elementarteilchen lesen, nicht kucken (…trotz Moritz Bleibtreu). Feuchtgebiete im Sand verbuddeln, Plattform stattdessen ausgraben. Das Antiquariat in der Nähe der Christuskirche hat übrigens noch ein paar Houellebecqs, also hin da! Und grüßt mir Mechthild von Mythenmetz oder das Bücherphantom, wenn ihr sie da trifft…

Links:

Michel Houellebecq’s ungepflegter, veralteter Blog

Und der wenig versprechende “Die Möglichkeit einer Insel”-Trailer

August 22, 2009 at 1:57 am 1 comment

Das Alter ist unausweichlich – Liebe möglich!

…mit diesem Titel möchte ich eine Buchdeckel-Phrase des Roman-Pornographen Michel Houellebecq umschreiben. Da heißt es in Die Möglichkeit einer Insel:

Das Alter ist unausweichlich — Liebe unmöglich

Und in der Tat: In Houellebecqs Distopie begehen alte Menschen Selbstmord, weil sie, so beschreibt es der Roman in all seiner zynischen Widerwärtigkeit, keinen Nutzen mehr haben.  Menschen werden in diesem Roman künstlich reproduziert, und wiedergeboren. So können sie dem hohen unästhetischem, sexuell-wertlosen, da lustlosen Alter entgehen (Das ist zumindest Houellebecqs Darstellung).

Glücklicherweise ist es in der realen Welt nicht so: Alt sein hat Konjunktur, befindet sich  vielleicht gerade in einem Prozess der ästhetischen Umdeutung. Marginalisierte und diskriminierte Gruppen haben in der Vergangenheit oft versucht, durch offensiven Umgang mit Ihren Stereotypen versucht, aus der gesellschaftlichen Deckung zu kommen (So z.B in der Feministen- und Homosexuellenbewegung).

Geschieht vielleicht gerade das gleiche mit alten Menschen (ich behaupte, das sind pensionierte Menschen ab 60)?

In Hannover fällt mir gerade eine große Plakataktion eine Pharmakonzerns auf “Helden der Liebe” in der U-Bahn auf. Erst nach einer Recherche erkannte ich, dass diese Serie für pharmazeutische Produkte gegen Erektionsstürungen wirbt. Dennoch ist im Zentrum der Plakatserie eine glückliche Liebe von alten Menschen offensiv dargestellt. Ein interessanter Gegensatz zu dem vorherschenden Jugenddogma in der Werbung.

Zur Zeit wird auch der DVD-Release des Films Wolke 9 mit Anzeigen beworben. So offensiv wurde noch nie mit alter Sexualität und Liebe umgegangen. Auf Youtube finden sich schon auf der ersten Suchseite auch italienische- und spanische Varianten von Trailern — ein Zeichen des Erfolgs dieses deutschen Films im Ausland.

Nein, Houellebecq, Altern ist zwar unausweichlich, aber Liebe möglich! Sicherlich geht es in meinem ersten Beispiel auch um die Profitinteressen eines Pharma-Herstellers, aber immerhin weisen diese darauf hin, dass in dieser Generation noch was geschieht, und die Bedürfnisse dieser Altersklasse auch beworben werden dürfen und müssen — in einer offensiven Art und Weise, wie es auch für junge Produkte geschieht.

UPDATE: Ich habe ganz vergessen, das Foto einzubinden, das mich zu diesem Blogeintrag inspiriert hat:alte-menschenDanke an Steffi, die das Foto auf  Durchfahrt nach Rinteln geschossen hat.

June 1, 2009 at 9:09 pm Leave a comment

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