Posts tagged ‘Philosophy’

Phi-loo-sophie — eine Möglichkeit unsere Welt zu verbessern?

Es traf mich ins Mark, als ich mich heute auf den Toiletten des Conti-, pardon Gucci-Campus befand und die Tür von einer der drei Klobkabinen hinter mir verschloss. Es war ähnlich aufrüttelnd wie das Erscheinen des “Zonk” der in der Spielshow “Geh aufs Ganze!” hinter einem vom drei Toren versteckt war — doch in dem heutigen Fall war die Botschaft eine positive, denn was sich hinter dieser Klotür befand war Weltpolitik! Genau die richtige Tür erwischt! Zonk!

Neben all dem Gekritzel, schlimmer als infantil, Hakenkreuze, Hetze gegen Zionismus, fanden sich Sätze wie “Rechte sind Schei**e” (harmloses Beispiel) die einfach revidiert wurde indem einfach “Rechts” durchgestrichen wurde, und “Links” drübergeschrieben. Und umgekehrt. So weit, so (leider nicht) gut. Mittig zentriert über dem Spülkasten befand sich aber folgende Feststellung:

Die Diskussion auf den Klowänden finde ich politisch sehr fruchtbar! Vielleicht sollten wir das Klo nach Jerusalem bringen, dann könnte man evtl. den Nahostkonflikt lösen!

Ein anderer Klogänger fügte hinzu:

“Ja, dann heißt es nicht mehr “Unser Star für Oslo,” sondern “Unser Klo für Jerusalem”

Dritte Hinzufügung:

“Sorry, ich hab’ nur 30 Minuten Pause, da ist mir der Weg nach Jerusalem zum Schei**en zu weit!!!”

Natürlich ist es ein Unding meinerseits, Philosophie mit diesem Klo-Kabarett zu verunglimpfen. Aber ich glaube gerade weil das Klo tabuisiert wird, muss seine kulturelle Bedeutung stärker untersucht werden. Zizek (jaja, der Starphilosoph…) ist sehr bekannt mit seinem Beispiel, dass die (alten) Toilettensystem in Frankreich, England und Deutschland die europäische Trinität beschreiben. Ich paraphrasiere Zizek: Frankreich, ein revolutionäres System, der Mist fällt sofort ins Wasser und wird radikal weggespült. In England bleibt der Mist eine Zeit lang im Wasser liegen, und versickert nach gewisser Zeit. In Deutschland hingegen fällt der Mist auf ein kleines Podest im Klo und kann untersucht werden, folglich ist dies ein metaphysisches System, und beschreibt die Eigenart der deutschen, alles zu untersuchen und zu reflektieren (vgl. deutscher Idealismus etc.).

Das Klo ist eine Universalmetapher. Sind denn die youtube-Kommentarseiten viel anders als Klowände? Und ebenso Blogs? (Werber Jean-Remy von Matt handelte sich von vier Jahren von übereifrigen Bloggern Protest ein, als er Blogs “als Klowände des Internets” bezeichnete.) Die permanente Schelte gegen die Weicheit von Angela Merkel, sowie die Trauer über den Abgang von einem “harten, aber notwendigen” Roland Koch (vgl.  ZEIT von letzter Woche) lässt sich als Wunsch verstehen, endlich mal wieder polarisiend, ja gar klowandhaft, politically-incorrect diskutieren zu können. Ja, was waren das denn noch für schöne Zeiten, wo Politiker wie Roland Koch zu Wahlkampfzeiten so einen auf dem Klo ausgedachten Mist herausgehauen haben?

Deshalb glaube ich auch, dass es es mit dem “unser Klo für Jerusalem” nicht funktionen würde, da hier die Lage umgekehrt ist: Nicht weniger Diplomatie wird in Israel/Palästina benötigt, sondern mehr. Und einen Diplomatieklowächter möchte man keinem Klogänger zumuten, der sich auf das Jerusalem-Klo wagen würde…

Und ein sehr ernstes, wichtiges Ziel (keine Ironie!) verfolgt der Welttoilettentag am 19. November — und zwar möchter dieser Tag die Aufmerksamkeit auf die schlechte Sänitärversorgung von ca. 40% der Weltbevölkerung lenken.

Auf jeden Fall gibt es noch eine Menge Klotential unsere Welt zu verbessern!

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June 5, 2010 at 5:32 pm Leave a comment

The Crazy Philosopher

What’s philosophy all about?

To make yourself feel better? To find a justification for everything? To make an impression in a party-chat?

If you positively answer these questions, then you are not talking about radical philosophy – or I would say, not philosophy at all, because I think philosophy needs to be radical. And if it is not, then you’re probably talking about the daily philosophy-substitutes to affirm the ideas you already had and just label your thoughts with a seemingly intellectual name.

Therefore I think craziness is the main criterion to recognize philosophy: evoking discomfort, maybe laugther, maybe non-understanding or a strong rejection. Philosophy, as “Philosophy in the Present” points out,  should not directly give political answers but rather construct problems and invent or reorder categories (for example misleading contrasts of everyday propaganda such as “war on terror” or “islamic fundamentalism vs. liberal democracy/capitalism”). People so often take categories for granted and consequently affirm the cause of a problem rather than solving it, like a doctor giving the patient poison and then looking for the symptoms (Bush’s terror propaganda was terror itself, to give a well-known example).

I think a good example to illustrate the “Crazy Philosopher” is  Slavoj Zizek, a controversial figure in academic as well as public circles. He is so crazy (in my above stated, positive sense), that filmmakers shot many films about him, thus millions of snippets or whole documentaries are found on Youtube. The best Zizek-feature I came across was a Dutch documentary. Quite a political one (Financial crisis/”living obscenity” Berlusconi/China human rights…), but Zizek does not give direct political advice, but advice about the popular advice — and by this, revealing propaganda. The concept  concept of the documentary is innovative: Zizek is only sorrounded by screens and a cameraman. A disembodied, digitalized voice tells him the questions.

This center on the philosopher, the only “living voice” in this film, is a vulnerable point: Isn’t this too superstar-like?


I call the concept of the Dutch show (if not the whole self-marketing of Zizek) a subversion and undercutting of a superstar-crazy world, where pseudo-stars need to comment  and engage in everything (take recent charity shows as example). I guess it is quite dangerous (“You are a cynic!”, ” You don’t have solutions!”) too comment on the daily mainstream going on in our social network world, that sees charity, joining Facebook-groups and opening up Twitter-Accounts as a solution, instead of serious involvment and thinking about real, radical solutions. Probably people feel strongly the pressure from  (I admit, I feel so) daily discourse and crowd-intelligence (unfortunately, only a superficial intelligence). Zizek calls himself a “Communist” to attract attention, but he means a different communism and admits that the real-existing communism failed (recently in BBC – Hard Talk). Who else has the media attention and thus power to say that he is a “Communist” and actually thousands of people listen to his arguments?

It needs figures like Zizek to break out of the circle. Using popular culture against itself and thus making money from it. Profiting from capitalism to promote a different kind of communism, so to speak.  Here we are again in the trap of postmodern self-reflexivity. I just say: Stop.

February 3, 2010 at 3:53 pm 2 comments

Es gibt keine Moderne Kunst!

Ich komme verspätet zu der Erkenntnis, dass es wahrscheinlich keine moderne Kunst gibt. Schon länger wollte ich drüber bloggen, mit meinem fragmentarischen hier-und-da Kunstwissen. Aber nein, selbst dieses Wissen gab es nicht. Ich bin schwer enttäuscht, wer auch immer mir eingeredet hat, dass es cool sei, diese intellektuellen Proleten wie Damien Hirst oder Tracey Emin toll zu finden.

In München hing ein Faden von der Decke. Letztes Jahr, in der Modernen Pinakothek. Es war sogenannte Installationskunst, ich dachte, aha, das ist jetzt modern, das ist ja witzig. Ein Rucksacktourist hielt seinen Finger nah an den Faden, welcher von der elektrostatischen Ladung dann verdächtig nah an an seinen Finger gelangte. Ein Wächter sah dies, sagte warnend nicht berühren!, Der Rucksacktourist entgegnete tue ich doch nicht!

Der Rucksacktourist hatte recht, denn es stand zwar wie überall KUNST NICHT BERÜHREN, aber es stand nirgendwo BITTE NICHT ELEKTROSTATISCH ANZIEHEN LASSEN oder NICHT GEGENPUSTEN (Was ich diesem Faden gerne angetan hätte, um diesen autoritären Wächter mal zu nerven, nachdem er harmlose Rucksacktouristen zusammengestaucht hat.

Tja, solche witzigen Sachen geschehen in dem politischen Mikrokosmos “modernes Kunstmuseum.” Ich glaube, dass moderne Künstler also keine modernen Künstler sind, sondern sie eigentlich Politiker/Historiker/Philosophen sind, ziemlich gute sogar.

Christoph Schlingensief hatte sich vor einigen Jahren mal von der Deutschen Bank eine Kunstaktion bezahlen lassen, die daraus bestand, einfach hunderttausend Euro vom Reichstag herunterzuwerfen. Durfte er aber dann doch nicht. Deutsche Bank sagt Nein! Herrlich, die Diskussion darum, Sinn und Zweck etc. — leider kein Platz an dieser Stelle. Oder Kraftwerk (wenn man die denn als moderne Kunst bezeichnen kann), die 400.000 Euro für ein minimales Jingle für die Expo 2000 erhalten haben, und damit eine prima Grundlage für eine Kritik an das 3Super-Hits-am-Stück!!-Radioniveau geboten haben (weil sie die Hypermoderne Komposition nicht spielen wollten, passte nicht in den Einheitsbrei).

Was im Volksmund als Moderne Kunst bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit unser aller schlechtes Gewissen, die für die Debatten sorgen, die meist leider von der Bild-Zeitung ausgehen, und die uns dann stark gefiltert erzählt, was im Parlament abgeht…

Kein Wunder, dass Künstler manchmal einfach das Gefühl haben, 100.000 Euro vom Reichstag herabzuwerfen (Schlingensief), oder ihn einzuhüllen (Christo, Jean-Claude 1995). Die Botschaft überzeugt in ihrer Klarheit. Vielleicht ist moderne Kunst ja die nötige Spur Diktatur in der Demokratie, denn ein einzelner Künstler diktiert, welche gesellschaftlich notwendigen Debatten er anzettelt.

Als ich letztens aufgedreht von Kaffee vor dem Computer saß hatte ein noch unentdeckter Künstler ein paar Werke auf Facebook gepostet, die ich spontan kommentierte. Ich war von meinem Resultat selber überrascht, und vielleicht ist das ja ein Zeichen von guter moderner Kunst, die ein Nichts ist,  ein Mangel, eine Negativität, eine Projektionsfläche für allerlei Gedanken/Theorien ist.

Hope — Yellow and Orange No. 1

Dezember 2009, Facebook, unbekannter Künstler

Was [unbekannter Künstler] hier beschreibt ist nichts weniger als Lacan’s “Il n’ya pas de rapport sexuel” (Es gibt keine sexuelle Beziehung). Das Bild, das ohne die provokanten Farben von einer Kitschkunst-interessierten Hausfrau gemalt sein könnte, funktioniert nur mit der fantasmatischen Idee der “Liebe” — hier symbolisiert in seiner einfachsten Form: dem Herz. Die, zumindest nach populärem Geschmack, unästhetische Farbgebung unterminiert die romantische Idee der Liebe, die, ebenso wie Lacan besagt, das Sexualität ohne die Fantasie nicht existiert, bzw. in seiner rohen Form eklig wird (s. Snuff-Porn, den Slavoj Zizek mit besonders schlimmen, reelen Momenten vergleicht, wie 9/11). Das naive, fast wie von einem Kind skizzierte Herz führt dem Betrachter dennoch penetrant die romantische Liebesidee vor, so dass es fast eklig wird, in angesicht der Farbgebung, die digitale Machart, die inadequate Facebookvermarktung und, wie bei anderen Werken in dieser Serie, den globalen Kitschkommentar “Hope”, der anscheinend ironisch gemeint ist.
Hope — Yellow and Orange No. 2
Dezember 2009, Facebook, unbekannter Künstler
Das Guantanamo-Orange und das Dollarzeichen stehen im Kontrast zum Hope-Titel. Ausserdem ist Gelb eine Farbe des Gifts, also deine sporadische/unsaubere Applikation kann auf dem vergifteten/kapitalistischem Individuum auf dem Orangenen Grund (d.h. eine Gesellschaft im Zeichen des Homo Sacer/entrechteten und ausgeschlossenen Subjekts hindeuten (s. Giorgio Agamben/Judith Butler’s neuere Werke)…also ein Kommentar zur heutigen Gesellschaft, die “Hope” als augenwäscherische Propagandaformel benutzt, um den letzten Dreck zu betitulieren.

December 11, 2009 at 1:09 am Leave a comment

Why I Blog: Egoism, Exhibitionism, Demons

Some years ago, I read some George Orwell texts: 1984, shorts stories (Shooting an Elephant — hillarious!), essays (Socialism and the English Genius). When I had some discussions about blogging recently, why one should do it or why not, one Orwell text came into my mind: “Why I write”. Because I am too lazy to think myself, I will build my argument on “Why I Blog” on this Orwell essay.

Being absolutely honest, this is the main point, and also true for me:

(i) Sheer egoism. Desire to seem clever, to be talked about, to be remembered after death, to get your own back on the grown-ups who snubbed you in childhood, etc., etc. It is humbug to pretend this is not a motive, and a strong one.

I don’t receive that much comments on my blog, but I am always very happy to get some. Some people write mails or comment on Facebook. Especially from people I don’t know at all, or people I did not see for a long time. This always satisfies my egoism, speaking with Orwell. Today, maybe “sheer egoism” sounds too strong and one would call it rather “Self-Marketing”, “Network-Reputation” or “Online Reputation.” Anyway Orwell is still right with the point of “sheer egoism.” Blogging is not socialism.

Some political entries I wrote also quite agree with this argument of Orwell:

I write it because there is some lie that I want to expose, some fact to which I want to draw attention, and my initial concern is to get a hearing.

Blogs have power because of immediate, subjective response to events. If you ever face an event, and your Blog is visited by just 20-30 people weekly, there is the potential to “get a hearing.” I think this is a basic need for humans, speaking in biological terms, that other people listen to them, and this goes beyond sheer egoism. Blogs, in contrast to oral communication are more like a monologue, this makes it harder to get a hearing, but it still is possible to deliver a political/personal message. And, who knows, maybe someday you are the first one to comment on a historical event?

So, is blogging for people that are egoists and people that like to talk to themselves? Orwell ends his essay with the idea that the mystery of writing cannot be totally solved. Let’s end this Blog-Entry with a very long quote, because I am again too lazy to think:

For all one knows that demon is simply the same instinct that makes a baby squall for attention. And yet it is also true that one can write nothing readable unless one constantly struggles to efface one’s own personality. Good prose is like a windowpane. I cannot say with certainty which of my motives are the strongest, but I know which of them deserve to be followed. And looking back through my work, I see that it is invariably where I lacked a political purpose that I wrote lifeless books and was betrayed into purple passages, sentences without meaning, decorative adjectives and humbug generally.

Again, Orwell speaks from my heart: I want to find an idea of truth, although I know that there is none. A truth about me, about others, about what’s out there. And as Orwell, I regularly look back on my Blog-Entries, what I wrote on Social-Network profiles, just to see what I was thinking, and how I changed my mind or my interests. Or not.

September 15, 2009 at 10:21 am 1 comment

Houellebecq, Hannover und Hakenkreuzbuch

“Ich hob ein kleines Loch im Sand aus, um die beiden Bücher darin zu vergraben; das Problem war jetzt nur, daß ich etwas zu lesen finden mußte. Leben ohne zu lesen ist gefährlich, weil man sich mit dem Leben begnügen muß, das kann dann dazu führen,  daß man Risiken eingeht”

(Michel in Platttform)

Mit schwerem, dem Vorabend geschuldeten, Kopf war ich eines Morgens/Mittags-wasauchimmer versucht, den geliehenen Houellebecq “Die Möglichkeit einer Insel” gewaltsam aus dem Bett in die Ecke zu schleudern, ebenso wie es Michel in Plattform mit einem Reiseführer tut, der ihm Prostitution in Thailand als unmoralisch vorführt. “Die Möglichkeit einer Insel” war mein dritter Roman, und nach 300 von 500 Seiten dieses Houellebecqs erkannte ich: Totaler Mist, nie mehr Houellebecq, zu pornografisch, immer das gleiche! Mein letzter Houellebecq 4ever!

Vor einer Woche geschah es dann hier in Hannover auf dem “migrationshintergrundsgeprägten” Engelsbosteler Damm, dass mir ein großes Hakenkreuz auf einem fleddrigen Buch ins Auge sticht. Das Buch war von 1923, altdeutsche Schrift.

Das Antiquariat (Name: Irgendwas mit “Internationale”?) war mir schon vorher aufgrund der kommunistischen Symbolik über ihrer Eingangstür aufgefallen. Und weil sie einen Kunstfolianten des Künstlerpaars Gilbert&George im Schaufenster hatten. Diese Künstler verwenden ihre Exkremente&andere Körpersäfte in ihren Bildern; in der Tate Modern vor zwei Jahren war mit der Eintritt dann doch selbst diese künstlerische Sensation den Eintritt nicht wert…

OK, back to Hannover: Hakenkreuzbuch, Kommunismussymbolik, Exkrementkunst-Foliant — also drei interessante Widersprüche, und guter Grund, das Antiquariat mal zu betreten. Es war wie in Walter Moers “Die Stadt der träumenden Bücher”: Die Bücherhaufen nahmen eine organische Struktur an, die Regale waren zwar kategorisiert, aber davor bildeteten sich Büchertürme, und man musste aufpassen, mit seiner minimal-Tasche die maximal Bücherhaufen die sich hier und da breit machten nicht umzustoßen. Hätte nur noch das Bücherphantom aus Moer’s Buch gefehlt, aber da war nur der Antiquariarist (heißt das so?) am Notebook und aus der Ecke mit den Kunstfolianten drangen französische Stimmen.

Und da sprang mir doch gleich ein Houellebecq ins Auge: Plattform. Sonderausgabe, Neu, 5 Euro, hübsches Hardcover “Einmalige Erfolgsaugabe anlässlich zu Die Möglichkeit einer Insel“. Ich warf meine Vorsätze über Bord, kaufte das Ding, denn ich warf mich schon beim Lesen der Plattheit des Klappentextes wieder weg:  “Michel und Valérie wollen die verlorene  Liebensfähigkeit des Westens in neuartigen Ferienclubs organisieren…”

Jetzt lese ich wieder Houellebecq und habe ihn nach einer Empfehlpause wieder zweimal empfohlen (Standardreaktion: Kannste mir sagen wie man dieses Houellebecq schreibt???).

Die Bücher, die im Eingangszitat verbudelt werden sind übrigens “Die Firma” und ein anderer amerikanischer Thriller. Bücher, die gemeinhin als nichtliterarisch und action/fiction bezeichnet werden. Billiger suspense, für die Leinwand geschrieben, Tom Cruise auf dem Leib geschrieben — sagt Michel treffend in Plattform. Aber Houellebecq, das ist pure Literatur, die schockiert und ein gesamtpornografisches Kunstwerk ist. Literatur, die trotz der pornografischen Elemente noch Form und Aussage hat — im Gegensatz zu Feuchtgebiete.

Ich gebe die Empfehlung also auch gerne auf diesem Blog weiter — ohne Scham, denn ich schäme mich eher für meine Dan Brown-Lektüre, denn für die mutige  Houellebecq-Lektüre. Masochismus schlägt Primitivität!

Bitte: Elementarteilchen lesen, nicht kucken (…trotz Moritz Bleibtreu). Feuchtgebiete im Sand verbuddeln, Plattform stattdessen ausgraben. Das Antiquariat in der Nähe der Christuskirche hat übrigens noch ein paar Houellebecqs, also hin da! Und grüßt mir Mechthild von Mythenmetz oder das Bücherphantom, wenn ihr sie da trifft…

Links:

Michel Houellebecq’s ungepflegter, veralteter Blog

Und der wenig versprechende “Die Möglichkeit einer Insel”-Trailer

August 22, 2009 at 1:57 am 1 comment

Coffeeshophilosophy!

The Blog-entry: “How Starbucks might kill freelancing – or the other way around” inspired me to set coffeeshops in a larger frame and constitute a coffeeshopcentric-worldimage, just as some other guys did in a different way (whose names I forgot).

Anyway: Let’ start with that well-known Globalization-everywhere thesis: Just as people are travelling more, national and cultural borders erode, goods are shipped from any place to your house, so is a working place not a local place anymore. And it doesn’t need to be: communication is possible via phone, blackberry, skype, mail, (corporate-) wikis, video-conferences. Information isn’t even anymore local on your notebook’s harddrive: Data is stored and edited on servers around the world — cloud computing, driven by Google-Documents, for example.

Skimming several centuries: Agriculture, Industry, Service, and now the Information age. And information is not bound to any place, they are in, with and between people, not in shabby offices.

And now you have the decision to work where?

Yes, in a coffeeshop.

Coffeeshops are cosy, nicely decorated, and if not so, they draw at least interesting people. The TAZ-Café in Berlin with the proximity of the editorial office is a good example for that: Cool, self-considered-“somehow”-left-wing people are just sitting around. With or without notebook. People, definitely with notebook, are what you meet in St. Oberholz, also in Berlin (picture says everything). The most important thing is, that there is a current influx of people. And W-Lan.

Starbucks is out! It is extremely expensive. But they probably were the first with reliable W-Lan-connection, years ago. I think that Starbucks today draws rather established businessmen- and women. And tourists.

But working in a café is nothing new, although the hippy trendy terms “coffeeshop” and “freelancing” suggest so. Also, this is not a new phenomenon of the information age.

Philosopher Jürgen Habermas wrote in” The Structural Transformation of the Public Sphere” that coffee-houses are a sign of a new openess, bringing forth enlightnment. This characterizes the 18th century — No W-LAN and Starbucks around, can you imagine that?

Around the same time (18th cent.) the Tatler-Magazine (still existing today in a modern form) even had categories such as White’s chocolate-house (for gallantry, pleasure, entertainment) and Will’s coffee-house (poetry). Of course, the 18th century allowed only elitist groups to be in the coffee-houses that often.

Coffehouses, not yet coffeeshops were basically places for an exchange of ideas. A social place, that constantly remind us of the world outside, and isn’t this important for a constant flow of ideas? On the other hand, you are observed and need to look at least a bit busy. Seeing and to be seen! I guess this was extremely important for intellectuals and writers: Influence — giving and taking — and self-positioning among elitist circles. Networking and Self-marketing, as we call it today.

Let’s jump to newer times: Harry Potter was written in The Elephant House I once visited in Edinburgh. As I remember from a JK Rowling documentation, she just flet from her massive problems at home. This is the escapist-notion of coffee-houses: fleeing from problems, being among coffee-drinking, chatting people with the illusion that live goes on in a coffee-drinking-way.

So, would we have great literature such as Harry Potter or older books, whithout Coffee-houses? Or the other way around, are there coffee-houses because of creatives like JK Rowling? The HerrHorn.com Blog asks, what was first, the person or the institution:

“I’m wondering how it actually happened that freelancing is now so closely associated with coffee shops? Was it coffee shops first and suddenly everyone thought, “Oh, brilliant… let me freelance, now that I can hang out at this coffee shop all day and night”. Or was it freelancers first until one morning over a cup of coffee some business school graduate thought “Oh, brilliant… all those freelancers want to hang out at a coffee shop all day and night”. Hen and egg thingy, I guess.”

My answer: If we translate freelancers with free-thinkers and coffeeshops with coffee-houses there is a clear answer: Free-thinking within the enlightnment period allowed for coffee-houses. People just wanted to have an exchange with other people and not to read alone in their bedroom. Thoughts kindle things, not reverse. Coffee-houses then promoted free-thinking further and further. A transformation of the public sphere, speaking in the terms of Habermas ,was taking place.

In the W-LAN-coffeeshop-era there is no barrier anymore to communicate worldwide. Interestingly people seem to feel isolated in their rooms, even though facebook, skype and twitter allow for a communication overdose. No, people still want to got to coffeehouses or special Webmeetings (I blogged about Webmonday Hannover or SocialBar for example.) Being physically at a communicative place and being simultaneously virtual around the world; this needs training, otherwise it is extremely exhausting, as I myself figured out when doing everything but fulfilling nothing.

“Wir nennen es Arbeit” (We are calling it work) describes how the digital Bohème challenges a new formulation of what work actually is. The French term “Bohème” also stresses the fact, that this “class” of people was and is still a minority that live excentrically and financially insecure.

Working with the absolute need of W-LAN in coffeeshops is just the consequence of the extremely flexible We-are-calling-it-work in connection with the instant possibility of real-life as well as virtual communication. This new Bohème also hopes to find new projects to work on and to connect worldwide. Or to rephrase an old slogan “Bohèmians unite!”

To come to a point: Freelancing and coffeshops with W-LAN are a great supplementation. Coffeeshops will search for the audience of the creative class, this is just a free-market mechanism. Otherwise competitors will attract the creative class.

Dear HerrHorn.com, there is no reason to think that freelancing will die without coffee-shops with W-LAN (As this WallStreetJournal story suggests). And yes, I think the consequences of a — however improbable — dying of coffeehouses with W-LAN would be extremely severe in a creative and cultural sense.

August 14, 2009 at 1:53 am 1 comment


About jannesr.wordpress.com Blog

This Blog has no real mission, but it is just a place for me to publish stories.
I like to have the pressure to simply write something down for an abstract audience. Bristrouble.wordpress.com was another attempt of me to do this when I was in Bristol. See below.

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