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Phi-loo-sophie — eine Möglichkeit unsere Welt zu verbessern?

Es traf mich ins Mark, als ich mich heute auf den Toiletten des Conti-, pardon Gucci-Campus befand und die Tür von einer der drei Klobkabinen hinter mir verschloss. Es war ähnlich aufrüttelnd wie das Erscheinen des “Zonk” der in der Spielshow “Geh aufs Ganze!” hinter einem vom drei Toren versteckt war — doch in dem heutigen Fall war die Botschaft eine positive, denn was sich hinter dieser Klotür befand war Weltpolitik! Genau die richtige Tür erwischt! Zonk!

Neben all dem Gekritzel, schlimmer als infantil, Hakenkreuze, Hetze gegen Zionismus, fanden sich Sätze wie “Rechte sind Schei**e” (harmloses Beispiel) die einfach revidiert wurde indem einfach “Rechts” durchgestrichen wurde, und “Links” drübergeschrieben. Und umgekehrt. So weit, so (leider nicht) gut. Mittig zentriert über dem Spülkasten befand sich aber folgende Feststellung:

Die Diskussion auf den Klowänden finde ich politisch sehr fruchtbar! Vielleicht sollten wir das Klo nach Jerusalem bringen, dann könnte man evtl. den Nahostkonflikt lösen!

Ein anderer Klogänger fügte hinzu:

“Ja, dann heißt es nicht mehr “Unser Star für Oslo,” sondern “Unser Klo für Jerusalem”

Dritte Hinzufügung:

“Sorry, ich hab’ nur 30 Minuten Pause, da ist mir der Weg nach Jerusalem zum Schei**en zu weit!!!”

Natürlich ist es ein Unding meinerseits, Philosophie mit diesem Klo-Kabarett zu verunglimpfen. Aber ich glaube gerade weil das Klo tabuisiert wird, muss seine kulturelle Bedeutung stärker untersucht werden. Zizek (jaja, der Starphilosoph…) ist sehr bekannt mit seinem Beispiel, dass die (alten) Toilettensystem in Frankreich, England und Deutschland die europäische Trinität beschreiben. Ich paraphrasiere Zizek: Frankreich, ein revolutionäres System, der Mist fällt sofort ins Wasser und wird radikal weggespült. In England bleibt der Mist eine Zeit lang im Wasser liegen, und versickert nach gewisser Zeit. In Deutschland hingegen fällt der Mist auf ein kleines Podest im Klo und kann untersucht werden, folglich ist dies ein metaphysisches System, und beschreibt die Eigenart der deutschen, alles zu untersuchen und zu reflektieren (vgl. deutscher Idealismus etc.).

Das Klo ist eine Universalmetapher. Sind denn die youtube-Kommentarseiten viel anders als Klowände? Und ebenso Blogs? (Werber Jean-Remy von Matt handelte sich von vier Jahren von übereifrigen Bloggern Protest ein, als er Blogs “als Klowände des Internets” bezeichnete.) Die permanente Schelte gegen die Weicheit von Angela Merkel, sowie die Trauer über den Abgang von einem “harten, aber notwendigen” Roland Koch (vgl.  ZEIT von letzter Woche) lässt sich als Wunsch verstehen, endlich mal wieder polarisiend, ja gar klowandhaft, politically-incorrect diskutieren zu können. Ja, was waren das denn noch für schöne Zeiten, wo Politiker wie Roland Koch zu Wahlkampfzeiten so einen auf dem Klo ausgedachten Mist herausgehauen haben?

Deshalb glaube ich auch, dass es es mit dem “unser Klo für Jerusalem” nicht funktionen würde, da hier die Lage umgekehrt ist: Nicht weniger Diplomatie wird in Israel/Palästina benötigt, sondern mehr. Und einen Diplomatieklowächter möchte man keinem Klogänger zumuten, der sich auf das Jerusalem-Klo wagen würde…

Und ein sehr ernstes, wichtiges Ziel (keine Ironie!) verfolgt der Welttoilettentag am 19. November — und zwar möchter dieser Tag die Aufmerksamkeit auf die schlechte Sänitärversorgung von ca. 40% der Weltbevölkerung lenken.

Auf jeden Fall gibt es noch eine Menge Klotential unsere Welt zu verbessern!

June 5, 2010 at 5:32 pm Leave a comment


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